Lebensperspektiven nach Todesfahrten

Licht-Aktion 2017: Für Flüchtlingskinder und -jugendliche in Wien

Unsere LICHT-Aktion führt uns in diesem Jahr 2017 in die von den Sales-Oblaten geleitete Pfarrei Franz von Sales in Wien, Österreich. Dort wollen wir das seit dem Herbst 2015 existierende Projekt für Flüchtlinge mit dem Namen „Habibi“ unterstützen. Da der Bedarf anhaltend groß ist und sich unheimlich viele Menschen engagieren, entwickelte sich „Habibi“ schnell zu einer Drehscheibe für die Unterstützung von Flüchtlingen. Über die Entstehung des Projektes berichtet der erste Artikel in diesem LICHT.

Mitte September 2015 erreichten immer mehr Flüchtlinge Wien. Die Menschen, die zu einem großen Teil in andere Staaten weiterreisen wollten, wurden primär auf Bahnhöfen betreut, die jedoch an ihre Kapazitätsgrenze stießen. Da wir über geeignete Räumlichkeiten und viele aktive Pfarrmitglieder verfügen, entschieden wir nach einem aufrüttelnden Medienbericht binnen weniger Minuten, zwei Notquartiere für Menschen, die sonst nirgends unterkommen konnten, einzurichten.

Zunächst Notquartiere

An den darauffolgenden drei Tagen stellten wir, ohne jegliche Vorerfahrung in diesem Bereich, alles auf die Beine, um am 14. September um Mitternacht für die Unterbringung von 50 Flüchtlingen pro Notquartier startklar zu sein. Die Hilfsbereitschaft war überwältigend: Matratzen, Decken, Schlafsäcke, Lebensmittel, Hygieneartikel, engagierte Mitarbeiter …; am 13.September, abends war alles bereit. Wir wussten damals noch nicht, ob wir überhaupt zum Einsatz kommen würden, da sich die Lage minütlich änderte und die staatlichen Stellen mit der Koordination völlig überfordert waren. Am 14. September, um zwei Uhr morgens, läutete das Telefon, und 30 Minuten später waren die ersten 50 Flüchtlinge da. Sie bildeten den Auftakt zu insgesamt fünf Wochen Notquartier, im Rahmen derer wir weit über 1000 Nächtigungen ermöglichen konnten. Den ersten Eindruck werde ich nie vergessen: 50 Menschen, darunter viele Kinder, kamen völlig erschöpft und mit nicht mehr als dem Gewand, das sie am Körper trugen, bei der Türe herein. Viele konnten sich davor tagelang nicht ordentlich waschen, waren hungrig und oftmals auch krank oder verletzt, zeigten uns etwa wundgelaufene Füße oder noch kaum vernarbte Schusswunden. Manche trugen ein salzverkrustetes Gewand, weil sie im Mittelmeer gekentert waren und das letzte Stück schwimmen mussten.

Sie helfen 24 Stunden

Die Herausforderungen waren groß, weil wir nie wussten, wie viele Flüchtlinge kommen und bleiben würden. Viele kamen aufgrund von Mundpropaganda selbst von außerhalb Wiens auf eigene Faust zu uns, andere wurden von Behörden geschickt, nur mit einem Plan ausgestattet. Wir shuttelten Abend für Abend bis zu 55 Menschen von den Wiener Bahnhöfen mit Privatautos in unsere Pfarrei, was organisatorisch fordernd war – ebenso, wie das Zurückbringen von bis zu acht Gruppen pro Tag, die zur Weiterreise von unterschiedlichen Bahnhöfen Tickets für verschiedene Züge hatten. Die Dankbarkeit der Menschen hat uns in schwierigen Momenten Kraft zum Weitermachen gegeben: „The police in Syria works to kill people 24 hours a day. You work to help us 24 hours a day – Die Polizei in Syrien arbeitete 24 Stunden am Tag, um Menschen zu töten, ihr aber arbeitet 24 Stunden am Tag, um uns zu helfen“ Andere meinten, es wäre bei uns wie im Paradies, obwohl sie mit bis zu 50 anderen in einem Raum auf Matten dicht an dicht schliefen. Immer sensationeller wurde im Verlauf des Notquartiers das Engagement aus der näheren und weiteren Umgebung: Weit über 100 Freiwillige übernahmen Dienste vor Ort, um die Betreuung 24 Stunden pro Tag sicherzustellen; andere kochten, wuschen, ließen Flüchtlinge bei sich zu Hause duschen – in der Pfarrei hatten wir nur eine Waschmaschine und eine Dusche zur Verfügung –, übernahmen Fahrtendienste, Begleitungen zu Behörden, boten erste Deutschkurse und Freizeitaktivitäten an, unterstützten uns zu jeder Tages-und Nachtzeit. Ein Netzwerk von 21 Dolmetschern und 17 Ärzten stand zur Verfügung, um bei Bedarf auch mitten in der Nacht Kommunikation und medizinische Versorgung sicherzustellen. Viele Menschen, die bisher noch nie über die Schwelle der Pfarrei getreten waren, kamen, manche nehmen seither am Pfarrleben aktiv teil. Die hauptamtlichen Seelsorger unterstützten uns vom ersten Moment an, räumliche Einschränkungen wurden mit großer Improvisationsbereitschaft akzeptiert.

Vielfältige Hilfe

Unsere Pfarrei entwickelte sich zu einer Drehscheibe für Flüchtlinge, die Hilfe brauchen, und Einheimische, die sie unterstützen wollen. Heute können wir unter anderem fünf wöchentliche Sprachkurse, ein Buddyprogramm, mit dem 220 Flüchtlinge längerfristig begleitet werden, finanzielle Unterstützung in Notsituationen, Wohnungs- und Jobvermittlung, professionelle Sozialberatung und vieles mehr anbieten. Durch Ihre Spende helfen Sie uns, die Angebote weiterführen und ausbauen zu können. Dafür danken wir schon im Voraus ganz herzlich!

Mehr Informationen gibt es auch im Internet unter
www. habibi-projekte.at
oder https:// www.facebook.com/HabibiProjekte/

E-mail Kontakt: kontakt@habibi-projekte.at

Alex Gotsmy

 

Wenn Sie für die LICHT-Aktion spenden wollen,
richten Sie Ihre Spende bitte an folgende Konten (Verwendungszweck "Habibi-Projekte"):

Für Deutschland: Kongregation der Oblaten des hl. Franz von Sales, Verwendungszweck: „Habibi-Projekte“, LIGA-Bank Eichstätt  (BLZ 750 903 00)
Kontonummer: 10 760 23 08
BIC: GENODEF1M05; IBAN: DE60750903000107602308

Für Österreich: Kongregation der Oblaten des hl. Franz von Sales, Verwendungszweck: „Habibi-Projekte“, Raiffeisenbank für NÖ/Wien  (BLZ 32000)
Kontonummer: 96-02.747.962
BIC: RLNWATWW;  IBAN AT98 3200 0096 0274 7962

 

 

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